Der Projektautor und künstlerische Ideengeber
Dr. Volker Bandelow (Jg. 1955) wuchs auf im Bochumer Norden mit Blick auf das Bergwerk Constantin 6/7. Die schon damals verfallenen Betriebsgebäude von Constantin 1 waren Teil seines kindlichen Spielreviers.
- "Als ich vor vielleicht 10 Jahren bei einem Besuch in meinem Elternhaus in Richtung Tippelsberg schaute und am Horizont war keine Zeche Constantin mehr, da war ich schon sehr geschockt. Für mich ist da bis heute eine Loch in der Luft."
Während des Studiums der Geschichte und Geografie beschäftigte er sich mit Fragen zu stadtgeografischen und wirtschaftshistorischen Zusammenhängen - nicht nur im Ruhrgebiet.
- "Mich hat immer die Interdependenz zwischen natürlicher (oder durch Menschen veränderter) Umwelt und menschlichem Handeln interessiert. Wie der Mensch in jeder Generation neu und mit anderen Mitteln seine Umwelt aufnimmt, neu formt und wiederum kommenden Generationen als Grundlage hinterlässt. Mit diesem Blick relativiert sich auch das von jeder Generation als abschließend und endgültig behauptete Menschenwerk."
Sein Weg führte ihn über die Freie Kulturarbeit und sozialwissenschaftliche Forschung schließlich zur Kommunalen Kulturarbeit. Seit 1993 leitet er des Kulturamt (Referat Kultur) der Stadt Gelsenkirchen. In diesen Zeitraum fiel die Hochphase der IBA Emscherpark und das Ende des Bergbaus in Gelsenkirchen mit der Stilllegung von Consolidation 3/7/8, Consolidation 1/6, Hugo, Ewald und schließlich Westerholt. Strukturwandel und kulturelle Neunutzung waren täglich Themen seiner Arbeit.
"Insbesondere der Wandel des produzierenden Bergwerks Consol 3/4/9 zum kultur.gebietCONSOL mit Theater, Musikprobenzentrum und Museen, an dem ich beruflich intensiv beteiligt war, hat mich die Bedeutung des Bergbaus für die Soziokultur der Region, für die Mentalität der Bevölkerung im Kern des Ruhrgebiets, erleben lassen. Und all die Schwierigkeiten bei der Revitalisierung einer Bergbaufläche konnte ich dabei hautnah miterleben."
Die Idee für "SchachtZeichen" trug er schon seit 2004 mit sich herum. Erst die Kulturhauptstadt und der Projektaufruf 2006 aber gaben schließlich Hoffnung auf Realisierung. Sommer 2006 entwickelte er das detaillierte Konzept unter Einbeziehung der 1998 im Standardwerk von Joachim Huske beschriebenen 3300 Zechen im Ruhrgebiet.
- "Ich habe mir bei Fahrten durchs Ruhrgebiet immer wieder vorgestellt, wie das wäre, wenn die Menschen noch einmal sinnlich erfahren könnten, wo die Wurzeln, die Ursachen dieses ganzen Siedlungskonglomerats lagen. Die Orte, zu denen ihre Voreltern von weit her gereist sind um hier ein neues Leben zu gründen. Die SchachtZeichen sollen Gelegenheit geben zum Nachfragen, zum Nachsuchen, zum Sich-Erinnern. Ich will den heutigen "Ruhris" Anlass geben, die Entwicklungsprozesse zu bedenken, die Teil ihrer Familiengeschichte sind."
Von Anfang an begeisterte sich der Historiker Michael Moos für die Idee und stieg sofort ehrenamtlich in die Weiterentwicklung und Konkretisierung von SchachtZeichen ein. Zwischenzeitlich stieß das Konzept auch in der RUHR.2010 GmbH auf sehr positive Resonanz. 2007 recherchierte Michael Moos im Auftrag der RUHR.2010 GmbH die relevanten Standorte und entwickelte 2008 den ersten Web-Auftritt. Der Prototyp des Ballons stieg Ende April 2008 über Nordstern in Gelsenkirchen auf. Im September 2008 stieß Dr. Rolf Tiggemann zum Team und übernahm auch als SchachtZeichen-Beauftragter des Kulturhauptstadtbüros die operative Betreuung des Stadtgebietes Essen.
Sehr viel positive Resonanz kam von Stadtteilen, Vereinen und der Presse.
In Essen, Dortmund, Gelsenkirchen, Herne, dann auch in Duisburg und Bochum konnten SchachtZeichen-Beauftragte als lokale Spezialisten gewonnen werden, die sich vor Ort um bis zu 60 Standorte kümmerten. Nachdem Moers eine Vorreiterrolle übernommen hatte, organisierten auch viele weitere Städte eigene Unterstützergruppen. Initiativen und Vereine vor Ort lernten sich kennen und stimmten ihr Handeln ab.
Ab März 2009 startete ein erweitertes Team in die heiße Phase des Projekts. Sabine Radomski, Christa Brockelmanns, Martin Janik, Hannah Neumann, Henry Beierlorzer und später Sibel Erkilet stiegen in das Projekt ein. Neue Sponsoren und viele großenteils ehrenamtliche Unterstützer sicherten die finanzielle und technische Machbarkeit des Großprojekts. Gleichzeitig wurde die Ballontechnik weiter optimiert, technische und logistische Hürden überwunden. Viele begeisterte Artikel in der Presse machten das Projekt in der gesamten Metropole Ruhr und darüber hinaus bekannt.
Ab November 2009 startete ein Team von Volunteers mit der Vorbesichtigung der Ballonstandorte. Nach und nach kamen auch die notwendigen Genehmigungen der Grundstückseigentümer und Schachtbesitzer zusammen. Ein Lager wurde eingerichtet, in dem auch die Konfektionierung der PKW-Anhänger, der darin befindlichen Heliumflaschen und Ballone sowie die Schulung der vielen ehrenamtlichen Ballonbetreuer stattfanden
- "Ich habe großen Respekt vor meiner eigenen Idee. Denn eigentlich ist SchachtZeichen ein Soziales Kunstwerk. Nichts, was ein Künstler mit einem realistischen Geldbetrag "in Auftrag geben" kann. SchachtZeichen braucht die vielen Menschen, die sich für diese Idee begeistern, die selbstlos anpacken, die zeigen wollen: Das war unser Schacht, das war unsere Geschichte, das wird unsere Zukunft."

